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[Interview] Thommi mit Ukulele, Verbalnotizen & der Radioablösung

7. November 2008 4 Kommentare »

Thommi produzierte 500 fröhliche Happy-i-Day’s und startete vor kurzem seinen neuen Personal-Podcast Verbalnotizen. Er erzählt von den Verbalnotizen, dem Unterschied zu Happy-i-Day und von seiner Meinung zum Thema “Podcasts lösen das Radio ab, oder doch nicht?”.

1.  Wie und wann bist du auf die ersten Podcasts und auf Podcasting allgemein aufmerksam geworden?

Das war kurz (ganz kurz) bevor ich den Happ-i-Day am 19.August 2005 gestartet habe, und tatsächlich war es die iTunes-Software, die mich darauf aufmerksam gemacht hat. Ich interessierte mich für einen iPod und wollte mich durch die Installation von iTunes klüger machen. Dabei bin ich dann über den Bereich “Podcast” gestolpert und wollte wissen, was das ist. Also habe ich nach Podcasts gesucht, in einige reingehört und fand das alles ganz spannend und interessant. Das hatte alles so ein bisschen was von Hart auf Sendung, und davon war ich hin und weg. Und legal war es ja auch…

2.  Warum podcastest du?

Das hat auch was mit diesem Hart-auf-Sendung-Ding zu tun. Es gibt doch dieses Clichée, das alle Jungs Mechaniker und alle Mädchen Krankenschwester werden wollen. Aber irgendwann kommen sie in die Pubertät und wollen nichts mehr als verstanden werden. Und damit sie sich in ihrer (hormonellen) Isolation nicht so einsam fühlen, brauchen sie das Radio. Denn da gibt es dann einige beruhigende Stimmen, die einem aus dem Herzen sprechen und einem sagen: “Du bist nicht allein.” Tja, und damals wollte ich gerne einer dieser Moderatoren sein. Die Romantik der jugendlichen Depression ist natürlich längst so dahin wie meine Jugend, aber diesen Jugendtraum habe ich mir dann halt nachträglich trotzdem noch mit dem Podcasten erfüllt (so gut es halt ging).

3.  Mit welcher Technik hast du begonnen, und welche wird jetzt zum Podcasten eingesetzt?

Ich habe natürlich erst mit jeder Menge Billigkram herumexperimentiert. Was halt so rumlag. Zuerst habe ich es sogar mit einem Kopfhörer als Mikrofon versucht. Weil aber alles nichts half, musste ich mir dann doch irgendwas Anständiges kaufen. Die Tonqualität war mir einfach nicht gut genug. Und weil mir die Qualität bei Schlaflos in München gefiel, habe ich einfach Anniks Equipment nachgekauft. Für einen Überblick hatte ich mal einen Blogeintrag geschrieben: den hier. Für die Verbalnotizen sind es jetzt allerdings 64 kBit/s in Mono. Und das neue Intro ist auf einer Flea Sopran Tiki gespielt und einfach nur übers Mikrofon abgenommen.

4.  Was bewegt dich immer wieder eine neue Folge zu veröffentlichen?

Zuerst war es auch so eine Art Projekt. Ich wollte das einfach mal eine Zeit lang durchziehen und habe mich damit von Folge zu Folge getrieben. Kurz nachdem ich mit dem Podcasten angefangen hatte, habe ich mir auch ein Blog zugelegt und damit noch einen zweiten Weg beschritten. Und jetzt habe ich damit zwei Möglichkeiten einfach mal irgendwas rauszulassen, was raus muss. Einfach gesagt ist das die Lust sich mitzuteilen. Und dann sind da natürlich auch noch die Hörer. Es sind ja nicht viele, aber trotzdem motiviert mich positives Feedback natürlich auch immer wieder zu mehr. Und in dem Moment mach ich’s auch für Hörer und nicht mehr nur für mich selbst.

5. Du hast fast drei Jahre und 500 Folgen lang “Happy-i-Day” produziert. Warum hast du diesen Podcast beendet?

Es ging nicht mehr. Man kann ja jeden Tag seinen positiven Gedanken für den Tag haben. Vielleicht auch öfter den Selben. Aber das reicht halt nicht, um daraus eine Folge für einen Böse-Schwingungen-Vertreibenden-Podcast zu machen. Und der Happ-i-Day war halt auf dieses “Format” des Fröhlichen festgelegt. Weil ich es ja selbst so wollte… Die täglichen Folge wurde erst zweitäglich und dann ganz unregelmäßig mit vielen “Urlauben” dazwischen. Und es war auch viel Quälerei dabei. Irgendwann habe ich mir dann gesagt: “Spätestens bei der 500sten ist Schluss!”

6. Nach dem Ende hast du einen neuen Podcast gestartet. Was ist der Unterschied zwischen “Happy-i-Day” und “Verbalnotizen”?

Wenn ich von “Quälerei” geschrieben habe, dann meinte das eigentlich nur den Kampf um Themen, um wieder eine neue Folge aufnehmen zu können. Denn jedesmal - gerade wenn ich mal wieder einen längeren “Urlaub” angekündigt hatte - nach ein paar Tagen podcastfreier Zeit war der Drang etwas aufzunehmen schon sehr groß. Und als ich dann der 500 immer näher kam, war mir klar, dass irgendwas folgen musste. Aber ich wollte kein vorgegebenes Thema oder Schema oder Format mehr. “Verbalnotizen” ist nur noch ein Name. Was kommt ist ungewiss. Es ist ein Personal-Podcast, wie mein Blog eben auch persönlich ist. Manchmal möchte man aber vielleicht lieber reden als schreiben. Verbalnotizen ist eine aurale Spielwiese.

Beispielfolge von Verbalnotizen: Folge 15

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7. Da mit dem Podcasten auch Arbeit verbunden ist, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass du gewollt bist etwas mit dem Podcast zu verdienen.

Ich habe mir bisher keine Gedanken darüber gemacht, mit dem Podcasten Geld zu verdienen. Mit den zwei Podcasts, die ich bisher gemacht habe, wäre ohnehin nichts zu machen gewesen. Denke ich jedenfalls. Und so ist es auch ein Leichtes für mich zu sagen: “Ich habe kein Interesse daran, mit diesem Hobby Geld zu verdienen.” Die Arbeit die ich darein stecke, mache ich mir ja gerne. Und wenn ich weniger Zeit oder Lust habe, gibt es auch weniger Output. Unterwirft man sich irgendeiner Geldmaschinerie kann man überall enden, nur nicht glücklich und als sein eigener Herr. Das steht dem Hobby entgegen. Machen kann natürlich jeder, was er will. Denn man muss ja nicht konsumieren. Einen mit Werbung gespickten Podcast würde ich mir nicht anhören. Genauso wie mich blinkende, flackernde und Gewinne versprechende Sidebars annerven und meine Besuchszeit drastisch reduzieren.

8.  Wie bewertest du „Podcasts” als Medium neben Zeitung, Radio & TV? Was muss noch verbessert werden, oder was hat Podcast, was die andren nicht haben?

Es gibt ja so einige, die prophezeit haben (oder war es vielmehr Hetzerei?), dass Podcasts das Radio ablösen würden. Ich konnte allerdings der Argumentation (gab’s die überhaupt?) nie folgen, glaubte dem damals nicht und heute erst recht nicht. Irgendjemand hat mal dieses wundervolle, verbale Bild gemalt: In den Zeiten als der Hammer erfunden wurde, sah plötzlich jedes Problem aus wie ein Nagel.
Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass Pionier- und Mitbegründerstolz einem ein wenig die Sinne vernebelt, aber wenn man da einen kleinlichen Blick drauf wirft, ist das arrogant, großkotzig, fast schon größenwahnsinnig. Ein Medium, das nach ca. 3,5 Jahren (ist das richtig?) in Deutschland immer noch fast keiner kennt, zu DEM Medium zu erklären, das nun doch endlich das Radio ablöst, ist schon ein bisschen nicht-normal.
Ich halte Podcasts - wie gesagt - für immer noch sehr unbekannt. Ich finde es toll, dass Radiosendungen als Podcasts zweitverwertet werden, weil sie dadurch auf Dauer, oder überhaupt erst, verfügbar werden. Und ich schätze es, dass über Podcasts Inhalte von “Fans und Freaks” verbreitet werden, für die Zielgruppen, für die das Öffentlich-Rechtliche kein Interesse und Geld oder keine Lust hat.
Podcasts sind also eine charmant-amateurige Ergänzung der Medienwelt, die netter Weise durch Profis auch für Zweitverwertungen missbraucht wird.

9.  Abschließend noch eine Frage: Gibt es Zukunftspläne für deinen Podcast?

Nein! Aber wer weiß, was kommt… Eine neue Idee und man wirft alles über den Haufen.

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4 Kommentare »

  • Meiky schrieb:Reply to this comment

    Großartig die Seite wird perfekt geführt hier ist Bewegung. Und ein Podcast den ich bisher noch gar nicht kannte im Interview.

  • Thommi schrieb:Reply to this comment

    Wow, mein erstes Interview… und jetzt sogar veröffentlicht.
    War eine interessante Erfahrung sich auch mal Gedanken über die Sachen zu machen, die man so tut. Vielen Dank für diese Möglichkeit und die damit verbundene Promotion. :-)

  • Pat schrieb:Reply to this comment

    Coole Abwechslung zu den Podnews. :-D

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