Du bist hier: Home » Headline » Wir brauchen eine Podcast-Agentur!

Wir brauchen eine Podcast-Agentur!

2. März 2009 8 Kommentare »
Projekt Podcastcafe mit Premium-Feed & co gescheitert

Er wollte den Podcast werbefinanzieren und für alle Anspruchsvollen wäre ein Premium-Feed mit 192 kBit/s gegen eine Jahresgebühr angeboten worden.  Um Kooperationspartner zu finden, nahm er Kontakt zu Firmen aus dem Bluesbereich auf. Webradios und lokale Radiostationen sollten mit einem Abomodell die Sendungen ebenfalls verwenden dürfen.

Er ist Jürgen Schlund. Der Podcast ist das Podcastcafe. Und das Vorhaben wurde im August 2008 in Angriff genommen, und bis zum Jahresende sollte alles in trockenen Tüchern sein.

Und dann lasen wir vor ungefähr einer Woche im Podster-Forum dies: „Ich bin grandios gescheitert…”.  Die Idee schien so gut, doch es hat nicht gereicht. Jürgen schrieb: „Erst das Gespräch mit einem Insider, der von der Musik lebt bzw leben muss, hat mir die Augen geöffnet und meiner Idee den Rest gegeben.”

In anderen Ländern dieser Welt klappt dieses Konzept längst. Nur bei uns scheint es noch nicht zu funktionieren. Wer Geld mit Podcasts verdienen will, kann auf Kampagnen bei audioAds und Co. hoffen und sich so ein „kleines Taschengeld dazu verdienen” oder die Idee, vom Podcasting teilweise oder sogar ganz leben zu können, schnell vergessen.

Was aber läuft falsch bei uns? Sind es die Unternehmen und Werbeagenturen, die noch immer darauf pochen Werbemaßnahmen in Hinblick auf Reichweite u.a. messen zu wollen?

Thomas Wanhoff[...] Werbung muss weg von der Reichweite und neue Modelle erfinden. [...] - Thomas Wanhoff in einem Kommentar auf UPLOAD-Magazin.de

Wissen die Werbekunden und -agenturen vielleicht einfach noch nicht, wie sie Werbung in Podcasts unterbringen sollen? Ist man noch nicht bereit in Nischenpodcasts zu werben, um so das gewünschte Zielpublikum ohne Streuverlust zu erreichen?

Alexander "Podpimp" Wunschel

[...] Solange die “professionellen” Vermarkter auf den Zahlen sitzen lässt sich kein Vertrauen für dieses Medium aufbauen. [...] - Alexander „Podpimp” Wunschel in einem Kommentar zum gleichen Artikel

Statistiken - Zahlen werden von Agenturen überbewertet!

Oder sind es die Podcaster, die sich schlecht verkaufen? Vermitteln sie vielleicht völlig falsch, welche Hörer- und Downloadzahlen ihr Podcast erreicht? Versuchen sie den Werbekunden überhaupt ihren Podcast als Werbefläche attraktiv zu machen? Vertrauen sie viel zu sehr auf allgemeine Aussagen, wie „Mein Podcast wird nur von Zielgruppen relevanten Personen gehört…” und missachten all jenes, was die Werbekunden wollen?

[...] Natürlich vermarkten sich die einzelnen zu wenig, aber das macht ein Buchautor auch nicht. [...] - Thomas Wanhoff

Die Fragen, die ich soeben aufgeworfen habe, kann ich nicht beantworten. Das Problem der Vermarktung von Podcasts in Deutschland spiegelt wahrscheinlich beide Seiten wider. Zum einen die Werbetreibenden, die das Potenzial von Podcasts (noch) unterschätzen und Podcaster, die sich einfach noch nicht richtig verkaufen (können).

Was wäre aber ein Artikel in der Rubrik „Meinung”, der nur Fragen, aber keine Antworten, aufwirft? Eben deswegen folgen nun meine, vielleicht etwas träumerischen, Ideen und Vorschläge.

Wir brauchen eine Podcast-Agentur! Eine Agentur mit erfahrenen Podcastern als Berater für Advertiser und Publisher. Eine Agentur, die die Vorteile von Werbung in Podcasts den Unternehmen endlich nahe bringt und die Kontakt zu den Podcastern suchen, um so geeignete Werbemethoden zu entwickeln. Eine Agentur, die es versteht perfekte Werbekampagnen zu planen,  durchzuführen und zu begleiten. Eine Agentur, die vielleicht sogar noch einen Schritt weiter geht und die die technischen Voraussetzungen für Abomodelle bereitstellt.

Und nicht nur das, wir brauchen auch einen Podcasterverband. Ja, ich weiß, dass Einige von euch jetzt denken weden: „Och neeee…bitte nicht das schon wieder!”. Aber wer sonst könnte (falls die Werbeindustrie noch darauf bestehen sollte) Werbeagenturen, Werbekunden und Podcaster zusammenbringen, damit diese gemeinsam über einheitliche Methoden zur Reichweitenmessung  beraten?

Die Podosphäre hätte wieder einen Interessenverband, der dringend gebraucht wird.

Foto: Statistik (C) geralt/Pixelio.de // Artikel-Bild (C) RainerSturm/Pixelio.de


8 Kommentare »

  • Karla schrieb:Reply to this comment

    Hallo,

    ich kann diesem Artikel nur zustimmen, auch ich bin für einen Verband oder eine Agentur oder beides, eine eigene Interessensvertretung. Wir sind theoretisch meist sehr erfolgreich, haben eine Menge Hörer, die eigentlich auch gerne ein bisschen was zahlen würden oder Werbung ertragen, um ihren Podcaster zu unterstützen - zumindest wurde mir dies von meinen Hörern immer versichert.
    Aber solange wir alle Einzelkämpfer sind, wird das Medium nie wirklich ernst genommen. Sollte jemand bereit sein, noch einmal einen Verband o.Ä. zu gründen, ich wäre auf jeden Fall dabei und könnte auch meinen Teil leisten!

    Viele Grüße aus der Podcasterhauptstadt München,

    Karla

  • coke schrieb:Reply to this comment

    … eine Agentur, die nur Podcasts vertritt, ist utopisch — da ist die Masse einfach zu klein. Den Podcastverband wieder ins Leben zu rufen (der dann vielleicht auch bei der Vermarktung unterstützend tätig ist), ist sinnvoll, notwendig und wäre sehr zu begrüßen.

  • » Werbeagentur für Podcasts gesucht… [UPLOAD Blog] schrieb:Reply to this comment

    [...] macht sich auf PodTown Gedanken darüber, warum es die deutschsprachige Podcastszene eigentlich so schwer hat, Geld zu verdienen. Sind es [...]

  • Phil (Autor) schrieb:Reply to this comment

    @Karla: Vielen Dank für deinen Kommentar :) Ich glaube, dein Podcast wäre eines der besten Beispiele, wie Werbekunden effektiv werben können - sie schicken dir ein Buch, und du bewertest es mit deiner ehrlichen Meinung. Wenns nicht gut war, ist es halt “Pech” ;-). Aber diese Art von “Werbung” ist einfach authentisch … und fällt gar nicht auf ;).

    @coke: Vielleicht jetzt … aber in einigen Jahren wird es nicht mehr utopisch sein.

    Wundert mich, dass bisher noch kein Kommentar kam nach dem Motto “Kein Verband … und wenn dann, nur für private Podcaster…” Die Leute schlafen wohl ?!

  • NormCast schrieb:Reply to this comment

    Als wir die Podparade starteten und besonders in den ersten beiden Jahren danach (wo die Euphorie noch besonders stark war), hatten wir aehnliche Ideen. Einem “normalen” Podcast (ggf. mit Sponsorenhinweis an Anfang und Ende, aber ohne Werbeunterbrechungen) sollte irgendwann eine Art “Premium Content” folgen, der dann gegen einen Obulus erhaeltlich sein sollte. Wir dachten daran, den normalen Podcast mit 128 kbps kostenlos weiterlaufen zu lassen, zusaetzlich aber ggf. klanglich hoeherwertigere Dateien und Zusatzinfos anzubieten. Auch dachten wir an eine Art “Syndicated Radio” und wollten eine eventuell etwas abgewandelte Fassung des Konzepts bei diversen Sendern platzieren. Tja… was soll man sagen. Es ist bisher bei dem “normalen” Podcast geblieben. Sowas ist halt schwer zu stemmen, vor allen Dingen dann, wenn es um das liebe Geld geht, vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Leider…

  • Kredit-Krise, WordPress-Virus, Zukunft 2019 und mehr > Allgemein, News, Tipps > Selbständig im Netz schrieb:Reply to this comment

    [...] Podtown.de hat sich der Autor ein paar Gedanken darüber gemacht, wie man hier Abhilfe schaffen [...]

  • Monika schrieb:Reply to this comment

    Ich höre dann mir einen Podcast an, wenn ich die Information ohne nicht erhalten. Mag ich Radio hör ich Radio.

    Die meisten Podcasts, die ich kenne, sind schlicht oft unverständlich in der Sprache - oder benutzen deutsch Deutsche Mundart - dies schreckt mich ab, dann sind sie sehr oft einfach voller ‘äh ähem…aha..’.

    Sprechen vor einem Micro mag eben gelernt sein.

    Zahlen tu ich dann, wenn ich professionelles höre. Doch wie erwähnt, der Inhalt muss mich gut reizen. Einfach Podcast=Radio ist mir eineutig zuwenig.

    lg

  • Thomas Wanhoff schrieb:Reply to this comment

    Einen Verband? Gut, dass ich so weit weg bin, wünsche viel Spaß! :-)
    Eine Agentur? Bringt nichts. Es bedarf einer Umdenke der großen Werbeagenturen und Mediaagenturen. Und die gehen lieber auf Nummer sicher als sich mit 20 Podcasts rumzuschlagen.

    Die Lösung einer 192 Variante sich ich nicht als Anreiz, eher schon gute Inhalte wie sie Karla liefert. Problem ist, dass es dafür noch kein Bezahlsystem a ala iTunes gibt, Man stelle sich vor ich könnte bei iTunes auch gegen Geld abonnieren, 10 cent pro Download oder so..

Deine Meinung!

Hinterlasse einen Kommentar oder setze ein Trackback auf deiner Website. Du kannst dich auch über neue Kommentare für diesen Artikel via diesem RSS-Feed informieren lassen.

Links

Benutzerbereich






Registrieren | Passwort vergessen?